12.05.2018

Gedenkfeier in Scheppau

Quelle: Wolfenbütteler Zeitung 02.05.2018

08.01.2018

Projekt der HRS Sickte

Quelle: Wolfenbütteler Zeitung 04.01.2018

08.06.2017

Gedenkfeier KZ Schandelah-Wohld vom 01.05.2017

WolfenbüttelerZeitung vom 03.05.2017
Cremlinger Rundschau Juni 2017

25.01.2017

Vor 70 Jahren: Der Schandelaher Kriegsverbrecher-Prozess 1947

Eine der vier Lagerbaracken
Lagerreste
Die beiden Versuchsöfen
Heutige Gedenkstätte

„Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen“

Dr. Diethelm Krause-Hotopp / Destedt

Am 2. Januar 1947 begann in Braunschweig vor dem Britischen Militärgericht ein Kriegsverbrecher-Prozess. Angeklagt waren drei leitende Mitarbeiter der Firma Steinöl (Prof. Solms Wilhelm Wittig, Dr. Otto Hefter und Hans-Detlef Ohlen) und sechs Männer des KZ-Wachpersonals (Friedrich Ebsen, Karl Truschel, Erich Arnold Jahn, Johann Heitz, Arthur Große und Herbert Schiefelbein). Sie wurden "wegen völkerrechtswidriger Behandlung alliierter Staatsangehöriger" angeklagt. Dabei bezog sich die Staatsanwaltschaft auf die Bestimmungen des Völkerrechts und die Gepflogenheiten der Kriegsgesetze. Diese hätten sie aufgrund der Misshandlungen und Tötungen von Bürgern alliierter Länder verletzt. Am 3. Februar 1947 verkündete das Gericht die Urteile: die Todesstrafe für Prof. Wittig und die vier KZ-Bewacher Ebsen, Truschel, Heitz und Große; Ohlen erhielt eine zehnjährige und Schiefelbein eine zweijährige Gefängnisstrafe, Hefter und Jahn wurden vom Gericht freigesprochen.

Das Gericht wandelte das Todesurteil gegen Wittig in eine 20-jährige Haftstrafe um, 1955 kam er aber schon wieder frei, die Haft bei Ohlen wurde auf sieben Jahre gekürzt. Ebsen, Große, Truschel und Heitz wurden am 2. Mai 1947 im Hamelner Gefängnis hingerichtet.

„Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen“, steht auf dem Gedenkstein des ehemaligen Lagers KZ Schandelah-Wohld, einer Außenstelle des KZ Neuengamme. Ziel war der Aufbau einer Versuchsanlage zur Gewinnung von Öl aus Ölschiefer. Die SS erhielt den Auftrag, das Lager zu organisieren, Arbeitskräfte herbei zu schaffen und verdiente damit viel Geld. Über 200 Menschen kamen in Schandelah zu Tode. Über den Prozess berichtete damals die Braunschweiger Zeitung, die die Bevölkerung über die Greueltaten informierte.

Ab April 1944 bis zur Auflösung des Lagers am 10. Mai 1945 waren hier Gefangene aus zahlreichen europäischen Ländern inhaftiert. Extrem schwere körperliche Arbeit, schlechte Verpflegung, die zu Unterernährung führte, kaum Winterbekleidung und Heizmaterial führten zu einem hohen (oft bis zu 20 %) Krankenstand. Besondere Probleme bereitete die Wasserversorgung, sodass Wasser in großen Fässern von einem Bauern in Schandelah geholt werden musste. Hinzu kamen schwere Misshandlungen und Erschießungen durch das Wachpersonal.

Der ehemalige Gefangene Piere Verhaegen aus Belgien schilderte vor Gericht eindrucksvoll was sich im Lager abspielte: „Wir wurden schon morgens mit Prügel geweckt; beim Frühstück ging es weiter. Auf dem Weg zur Arbeit und an den Arbeitsplätzen ging es weiter. Auch wenn wir schlafend in unseren Betten lagen, waren wir davor nicht sicher. Die Prügelei gehörte mehr zum Tagesablauf als Essen und Trinken. Hunderte Male habe ich gesehen, wie Kameraden solange geschlagen wurden, bis sie sich vor Schmerzen auf der Erde wanden“.

37 Jahre brauchte es, bis 1982, auf Initiative der Grünen Bürgerliste, die erste Gedenkfeier auf dem ehemaligen Gelänge stattfand. Das Schicksal der Gefangenen in diesem Lager, dicht vor unserer Haustür, darf niemals in Vergessenheit geraten.

23.01.2017

Gedenkstätte KZ-Außenlager Schandelah-Wohld

Die neugestaltete Gedenkstätte.
Der damalige Tagebau ist mit Wasser vollgelaufen.
Victor Malbecq (22.06.1925-14.03.2015) bei der Gedenkfeier 2013.
Reste von einem Ofen zur Herstellung von synthetischem Benzin aus Ölschiefer.
Der Weg zu den Friedhöfen
Der ehemalige Friedhof, der von 1944 bis 1946 genutzt wurde.
Gedenktafel des ersten Friedhofs.
Der ehemalige Friedhof, der von 1946 bis 1954 genutzt wurde.
Gedenktafel des zweiten Friedhofs.
Der Friedhof in Scheppau, auf den die Opfer 1954 ihre letzte Ruhe fanden.

08.10.2014

Rätsel um Lagerfriedhof gelöst

30.05.2014

Wo war der Friedhof für die Zwangsarbeiter?

Diethelm Krause-Hotopp (rechts) und der 83-jährige Zeitzeuge Bernhard Kiekenap in der Scheppauer Feldmark.

Von Sebahat Arifi

Scheppau Mit einem Zeitzeugen ging es durch die Scheppauer Feldmark auf der Suche nach einer KZ-Grabstelle. War die Suche erfolgreich?

Malerisch ist es an diesem Vormittag in Scheppaus Feldmark. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, ein Jogger nutzt das schöne Wetter für eine Laufrunde. Dass in dieser verträumten Idylle vor fast 70 Jahren 200 Männer ihr Leben gelassen haben, ist kaum vorstellbar.

Doch genau um dieses dunkle Kapitel geht es Diethelm Krause-Hotopp heute. Der Destedter hat die Hoffnung, dass ihm ein Zeitzeuge den Ort in der Scheppauer Feldmark zeigen kann, wo ein Teil der Zwangsarbeiter von Schandelah-Wohld begraben wurde. 800 Gefangene aus ganz Europa mussten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen ab 1944 Ölschiefer für die Nazis abbauen. Die meisten verhungerten oder starben an Krankheiten infolge der hygienischen Verhältnisse.

Ihnen zu Ehren wurde die Gedenkstätte Schandelah-Wohld auf Wolfenbüttler Gebiet errichtet. Krause-Hotopp, der sich stark für die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit in unserer Region engagiert, hat sich auch hier maßgeblich eingesetzt. An der Gedenkstätte nun trifft er sich an diesem Tag mit dem 83-jährigen Bernhard Kiekenap. Als junger Reporter der Braunschweiger Zeitung hatte er 1948 über die damals noch stehende Fabrik und Steinbaracken berichtet. In „Ein verlassenes Dorf bei Braunschweig“ schrieb er: „Abseits der Straße, an einem Waldesrand zwischen halbhohem Gras liegt ein Friedhof; er birgt die Gräber von mehr als hundert politischen Häftlingen.“

Diese zweite Grabstelle ist heute kenntlich gemacht. Doch wo war die erste? „Wir wissen eigentlich eine ganze Menge, auf den Luftaufnahmen von 1945 ist die Stelle deutlich zu erkennen.“ Krause-Hotopp blättert in seinem eigens angelegten Ordner auf der Suche nach dem Dokument. Und in der Tat ist darauf ein Rechteck nördlich des Lagers zu erkennen. In diesem Ordner sind auch Bilder von späteren Exhumierungen zu finden und ein dazugehöriger Pathologie-Bericht. „Das Gebiet ist ziemlich feucht, und die Grabstellen waren in keinem guten Zustand. Die Leichen wurden deshalb nach dem Krieg zum Teil in ihre Heimatländer gebracht oder in Braunschweig und auch in Scheppau auf dem Friedhof begraben“, berichtet Krause-Hotopp.

Der namentlich nicht bekannte Pathologe des Landeskrankenhauses Braunschweig schrieb in seinem Bericht über die Exhumierungen: „Die Ausgrabungen fanden auf Veranlassung der englischen Militärregierung am 1. - 3. und 6. - 10. Mai 1946 statt. (...) Es bot deshalb vielfach Schwierigkeiten, die einzelnen Gräber an der richtigen Stelle aufzufinden.“

Sieben Jahrzehnte später stehen nun Krause-Hotopp und Kiekenap in der Scheppauer Feldmark, um eine von ihnen wiederzufinden. Nur wenige Gehminuten von der Gedenkstätte entfernt. „Ich meine, es ist hier“, deutet der 83-Jährige auf eine Stelle, doch der Destedter widerspricht ihm. Anhand seiner Unterlagen könne es eigentlich nur eine andere sein. Sie gehen weiter, direkt über die Felder, die auch heute noch bezeugen, wie feucht das Gebiet ist – schnell ist man knöcheltief im Wasser.

DAS KONZENTRATIONSLAGER SCHANDELAH-WOHLD

Als Außenlager des KZs Neuengamme wurde Schandelah-Wohld eingerichtet.

Bis zu 800 Gefangene aus Ländern wie Belgien, Dänemark, Deutschland, Polen, Spanien oder der Sowjetunion mussten dort ab Mai 1944 bis April 1945 Ölschiefer abbauen.

Etwa 200 Häftlinge starben aufgrund der unmenschlichen Bedingungen. Anfangs wurden sie im Krematorium Salzgitter-Drüte verbrannt, später wurden sie auf einem Friedhof nördlich des Lagers vergraben.

Doch alle Drehungen und Wendungen, Diskussionen und Spekulationen bringen am Ende nicht das erhoffte Resultat. „Ich weiß es wirklich nicht mehr, es ist einfach zu lange her“, muss Kiekenap am Ende zugeben. Eine leichte Enttäuschung kann Krause-Hotopp nicht verbergen: „Es hätte ja sein können“, sagt er schulterzuckend. Doch aufgeben gelte nicht, denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

02.05.2014

Ministerin Dr.Heinen-Kljajic (Grüne) hielt Gedenkrede

Bürgermeisterkandidat Detlef Kaatz (links) und Diethelm Krause-Hotopp informieren Ministerin Gabriele Heinen Kljajic über die Gedenkstätte KZ Schandelah-Wohld

Schandelah-Wohld. Zum 33. Mal fand am ehemaligen KZ Schandelah-Wohld eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus statt. Krankheitsbedingt konnte in diesem Jahr der letzte Überlebende, Victor Malbecq, leider nicht teilnehmen. Für die Gäste der l'.amicale Internationale de Neuengamme sprach Bürgermeister Rudi Beeken aus Belgien. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Günter Eichenlaub hielt die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Dr. Gabriele Heinen-Kljajic, die Gedenkrede. Sie hob hervor, dass dieser Ort für die nachkommenden Generationen ewige Mahnung bleiben muss. „Aus dem Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus leitet sich damit Verantwortung für politische Entwicklung der Zukunft ab“, so die Ministerin.

Im Anschluss an die Gedenkfeier ließ sie sich vom stellvertretenden Gemeindebürgermeister Dr. Diethelm Krause-Hotopp und vom Bürgermeisterkandidaten Detlef Kaatz die Umgestaltung der Gedenkstätte erklären. Auch über die geplante Einbeziehung des ersten Lagerfriedhofs (1944-1946)  und den neuen Standort des Friedhofs (1946-1954) wurde die Ministerin informiert. Sie äußerte sich positiv über die Gedenkstättenarbeit der Gemeinde Cremlingen.

18.10.2013

Grüne wollen ehemaligen Lagerfriedhof wieder erkennbar machen

Foto (Diethelm Krause-Hotopp): Die ehemaligen Gräber sind mit Wasser gefüllt und deutlich erkennbar.

Cremlingen. Im Konzentrationslager Schandelah-Wohld, einem Außenlager des KZ Neuengamme, mussten ab Mai 1944 bis April 1945 bis zu 800 Gefangene u.a. aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Polen, Spanien, der Sowjetunion und der Tschechoslowakei unter unmenschlichen Bedingungen Ölschiefer abbauen. Aufgrund extrem schlechter Arbeitsbedingungen, Unterernährung, Misshandlungen und Erschießungen durch das Wachpersonal starben ca. 200 Häftlinge. Anfangs wurden sie in ein Krematorium nach Salzgitter-Drütte transportiert, später wurde nördlich des Lagers ein Friedhof angelegt. Als noch Holz vorhanden war, wurden z.T. drei Leichen in einem Sarg begraben, später wurden sie nur noch verscharrt.

Bereits im September 1945 wurde der Bürgermeister von Schandelah angewiesen, diesen damals schon verwahrlosten Friedhof in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen, „da die Gefahr besteht, dass er als solcher vollkommen untergeht“.

Auf Veranlassung der englischen Militärregierung fanden dann Anfang Mai 1946 Exhumierungen statt. In der Gemarkung Scheppau wurde ein Friedhof angelegt, der bisher von den Grünen noch nicht gefunden werden. Doch auch hier hatten die Toten keine Ruhe, die es für sie erst ab 1954 auf dem Scheppauer Friedhof gab.

Nachdem die Grünen die Stelle des Lagerfriedhofes wieder gefunden hatten, deutlich erkennbar sind mit Wasser gefüllte ehemalige Grablöcher, soll dieser ehemalige Lagerfriedhof nach Wunsch der Cremlinger Grünen in den Komplex der Gedenkstätte eingegliedert werden. „Wir wünschen eine würdige Gestaltung und einen Hinweis auf den ersten Lagerfriedhof“, so Diethelm Krause-Hotopp von den Cremlinger Grünen.

URL:http://gruene-cremlingen.de/themen/kz-schandelah-wohld/